lps richtig digitalisieren

Als Vinyl-Liebhaber schätzt man den analogen und wärmeren Klang der Schallplatten. Jeder Musikliebhaber kommt früher oder später nicht mehr an der Vinyl-LP vorbei: Denn hochwertige Plattenspieler und ebenso hervorragende Phono-Vorstufen sorgen für einen Klanggenuss, welcher mit den meisten Digital Lösungen fast unerreichbar ist. Es stellt sich dann natürlich die Frage, wozu man denn eine LP überhaupt digitalisieren soll. Vielleicht möchte man auch im Urlaub nicht auf die einen oder anderen musikalischen Perlen verzichten oder man möchte von der nicht mehr erhältlichen LP eine möglichst gute digitale Sicherheitskopie erstellen.

Der Markt bietet einige Digitalisierungslösungen für LPs: All-In-One Geräte mit Plattenspieler, Phono-Vorstufe und CD-Brenner - allesamt in überaus zweifelhafter Qualität, um es mal diplomatisch zu formulieren. Natürlich ist nicht jeder Musik-Liebhaber ein sogenannter High Ender, aber die erwähnten Gerätschaften sind meistens so schlecht gebaut, dass es mehr Sinn macht, die jeweiligen Alben - sofern verfügbar - auf CD oder beispielsweise im iTunes Store zu kaufen. Ansonsten steht man am Schluss mit einer digitalen Aufnahme da, welche nicht mal zum nebenbei hören taugt.

Im High End Bereich sind Geräte mit Aufnahmemöglichkeit eher die Ausnahme. Wenn überhaupt, gibt es die Aufnahme als optionale Funktion in wenigen Musik-Servern oder Vorverstärkern mittels USB-Anschluss. Eine grosse Vielfalt von reinen Digital-Recordern findet man hingegen im Studio-Bereich. Mit wachsender Festplatten-Kapazität haben diese Komponenten die analogen Tonbandmaschinen in den 1990er Jahren verdrängt.

Seit Anfang 2011 bin ich selber Besitzer eines zeitgemässen digitalen Studio-Recorders - dem Korg MR-2000s. Damals habe ich einen Produktspiegel dazu verfasst. Inzwischen konnte ich einige Erfahrungen mit dem digitalen Aufnehmen sammeln. Dieses Thema bietet somit einen interessanten Einblick in die Welt der Digital-Aufnahme mit dem Fokus LP-Digitalisierung. Die Recorder-spezifischen Informationen beziehen sich natürlich auf den Korg MR-2000s. Das Grundverfahren ist jedoch bei allen gängigen Digital-Recordern dasselbe.

digital-recorder vorbereiten

Der Line-In des Digital-Recorders wird idealerweise mit dem Tape-Out des Verstärkers verbunden. Ist kein Tape-Out sondern lediglich ein zweiter geregelter Line-Out vorhanden, ist dieser zu wählen. Ebenso verbindet man den Digital-Recorder vom Line-Out mit einem Line-In des Verstärkers. Der Korg MR-2000s bietet ein- wie auch ausgangsseitig XLR und Cinch-Anschlüsse.

wahl der qualität

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Bei jedem Digital-Recorder stehen verschiedene Qualitätsstufen zur Auswahl: Diese beginnen in der Regel bei der standardmässigen CD-Abtastrate von 44.1 kHz mit einer 16 Bit Quantisierung und enden bei 192 kHz.

Der Korg MR-2000s bietet zudem als einer der wenigen Studio-Recorder auch das hochauflösende DSD-Format mit SA-CD tauglichen Abtastraten von 2.6 bis zu 5.6 MHz bei einer 1 Bit Quantisierung. Die Abtastrate der normalen CD von gerade mal 0.0441 MHz fällt dagegen sehr bescheiden aus. Aufnahmetechnisch sind im Digitalbereich 5.6 MHz Abtastrate derzeit das höchste der Gefühle. Es ermöglicht eine nahezu 1:1 Digitalisierung jeglicher analoger Aufnahmen. Eine entsprechende Digital-Aufnahme ist verblüffend nah am analogen Original, wenn auch letzten Endes dennoch ein hörbarer Unterschied bleibt.

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Der Nachteil einer DSD-Aufnahme ist natürlich der enorme Bedarf an Speicherkapazität: Eine mit 5.6 MHz Abtastrate digitalisierte LP benötigt schnell vier bis fünf Gigabyte. Man muss sich also vorab fragen, welchen Einsatzzweck die Aufnahme haben soll. Für eine digitale Sicherheitskopie einer LP oder eines Tonbands ist das DSD-Format sicher die erste Wahl. Mit einer passenden Software kann man dieses hochauflösende Format in jegliches Standardformat exportieren lassen.

Ist die Aufnahme für einen Mobile-Player, wie zum Beispiel den iPod gedacht, genügt prinzipiell die normale CD-Qualität mit 44.1 kHz Abtastrate. Für eine hochwertige Aufnahme auf CD empfehlen sich 192 kHz. Dabei sollte bedacht werden, dass eine gute digitale Aufnahme problemlos komprimiert werden kann, sofern eine einfachere Qualität genügt. Eine schlechte digitale Aufnahme lässt sich im Nachhinein nur noch schwerlich verbessern. Ich wähle in der Regel das Format mit 192 kHz Abtastrate, die höchste verfügbare Qualität bei einer 16 bit Quantisierung. Die gewünschte Abtastrate und somit die Qualitätsstufe kann in den Einstellungen des Recorders gewählt werden.

einpegelung

Nun können wir mit der Einpegelung beginnen: Der Eingang des Verstärkers muss auf die aufzunehmende Quelle geschaltet werden. In diesem Fall auf den Plattenspieler. Zur Signalkontrolle wird ein Kopfhörer an der entsprechenden Buchse des Digital-Recorders angeschlossen. Dessen Lautstärke-Regler drehen wir in etwa auf 9 Uhr. Der Digital-Recorder wird per einmaligen Drücken der Record-Taste in Aufnahme-Bereitschaft versetzt.

Wichtig: Während dem Absenken des Tonarms sollte der Verstärker jeweils stumm geschaltet werden, um das laute Plop-Geräusch beim Aufsetzen des Tonabnehmers auf die Schallplatte zu verhindern.

Verstärker mit Tape-Out
Wenn der Digital-Recorder an den Tape-Out des Verstärkers angeschlossen ist, sollte man beim weiteren Aufdrehen des Lautstärkereglers des Korg MR-2000s über die Kopfhörer bereits etwas hören, sofern die Quelle spielt.

Verstärker ohne Tape-Out
Falls kein Tape-Out zur Verfügung steht und der Korg MR-2000s an einem geregelten Ausgang des Verstärkers angeschlossen wurde, so muss wie folgt verfahren werden:

  • Vollverstärker: Hier bleibt nichts anderes übrig, als die Lautsprecher-Kabel auszustecken.
  • Vor- und Endverstärker-Kombination: Endverstärker stumm oder ausschalten.

Nun muss der Lautstärke-Regler des Verstärkers mindestens in die 12 Uhr Position gedreht werden. Danach dreht man langsam höher - in der Regel bis etwa zur 14 oder 15 Uhr Position. Dies ist notwendig, damit am geregelten Ausgang eine vergleichbare Spannung wie bei einem Tape-Out anliegt. Es versteht sich bei einer so hohen Lautstärke-Einstellung auch von selbst, warum entweder die Lautsprecher vorher ausgesteckt werden müssen oder die Endstufe stumm geschaltet werden muss.

Über den Kopfhörer am Digital-Recorder müsste man jetzt bereits etwas hören, sofern die Quelle spielt, alles korrekt angeschlossen und eingestellt wurde.

Einpegelung
Das obige Bild zeigt die Level-Meter des MR2000-s in Aktion. Mit deren Hilfe erfolgt nun die Einpegelung.

Es ist sehr wichtig, möglichst laut, aber auch nicht zu laut aufzunehmen: Bei zu geringer Lautstärke verliert man an Auflösung und bei zu hoher Lautstärke wird das Signal übersteuert. Gelegentliches minimales und kurzzeitiges übersteuern ist nicht tragisch. Generell sollte aber übersteuern beim digitalen Aufnehmen unbedingt vermieden werden, da es sonst zu hörbaren Clipping-Fehlern kommt.

Unabhängig davon, ob man das aufzunehmende Album kennt oder nicht, empfiehlt es sich, verschiedene Passagen - leise wie auch laute - anzuhören, damit man eine optimale Einpegelung erreichen kann. Die Einpegelung geschieht wie folgt:

Bei Anschluss an Tape-Out
Beim Tape-Out sollte in der Regel bereits eine ideale Ausgangsspannung anliegen. Bei Bedarf kann man den Eingangspegel in den Einstellungen des Digital-Recorder erhöhen oder reduzieren. Allerdings sollte hierbei aufgrund der digitalen Verstärkung nur minimal eingegriffen werden.

Bei Anschluss an geregeltem Line-Out
Hier erfolgt die Regelung mittels Lautstärke-Regler des Verstärkers.

Einpegeln - bitte stets beachten
In der Regel liegen die idealsten messtechnischen Werte und dadurch die besten klanglichen Eigenschaften von Lautstärker-Reglern im oberen Drittel ihres Einstellungsbereichs. Eine verstärkerseitige Ausnahme bilden hierbei Lautstärke-Steller mit Widerstands-Netzwerken: Diese bieten über den gesamten Einstellungsbereich ideale Werte. Allerdings sind sie aufgrund ihrer Machart sehr teuer und daher nur in Verstärkern der absoluten Spitzenklasse anzutreffen.

testaufnahme

Nach der erfolgreichen Einpegelung ist es nun an der Zeit für die erste Testaufnahme. Wir starten die Quelle erneut. Der Korg MR-2000s ist bereits in Aufnahme-Bereitschaft und so genügt ein Druck auf die Play-Taste, um mit der Aufnahme zu beginnen.

Das Ergbenis kann man während der Aufnahme direkt via Kopfhörer überprüfen. Damit die Testaufnahme auch über die Lautsprecher der Stereoanlage überprüft werden kann, nimmt man ein paar Minuten auf und beendet dann die Aufnahme mit "Stop". Sofern man über den Lautstärkeregler des Verstärkers eingepegelt hat, notiert man sich dessen Position. Danach dreht man diesen in jedem Fall auf normale Zimmerlautstärke zurück. Nun kann der Endverstärker wieder aktiviert bzw. die Lautsprecher wieder angeschlossen werden. Um einen Direktvergleich durchzuführen, setzen wir die Quelle ebenfalls in Ausgangsposition und starten danach sowohl die Quelle wie auch den Digital-Recorder mit "Play".

Mit dem Eingangswählschalter des Verstärkers kann nun zwischen den beiden Geräten hin und her geschaltet werden. Im Idealfall wird während dem Umschalten keine Änderung der Lautstärke wahrgenommen - dann hat man optimal eingepegelt. Auch bei minimalen Lautstärke-Unterschieden, kann man von einer grundsätzlich gelungenen Einpegelung und einer dementsprechend guten Aufnahme ausgehen. Sind die Lautstärke-Unterschiede jedoch zu gross, so muss die Einpegelung korrigiert und eine erneute Testaufnahme durchgeführt werden.

aufnahme und kontrolle

Die Testaufnahme ist geglückt? In dem Fall können wir den Studio-Recorder wieder in Aufnahme-Bereitschaft setzen. DIe Testaufnahme kann zu einem späteren Zeitpunkt beim Übertragen auf den PC gelöscht werden. Sofern man über den Lautstärkeregler des Verstärkers eingepegelt hat, stellt man diesen wieder auf die vorhin notierte Position. Dabei bitte nicht vergessen, den Endverstärker stumm zu schalten oder die Lautsprecher auszustecken. Die Quelle ebenfalls wieder zurücksetzen und den Eingang des Verstärkers auf die Quelle einstellen. Jetzt kann mit der erneuten Aufnahme begonnen werden.

Während der Aufnahme können mit drücken der Record-Taste sogenannte Marker gesetzt werden: Dies vereinfacht die Trennung der einzelnen Tracks bei der späteren Bearbeitung am PC. Die Track-Separierung kann aber so oder so auch im Nachhinein durchgeführt werden.

Nach Beendigung der Aufnahme sollte man - sofern man alles richtig gemacht und hochwertiges Equipment eingesetzt hat - im Besitze einer selbst gemachten und einwandfreien Digital-Aufnahme sein. Doch damit ist das Werk noch nicht vollbracht. Schliesslich folgt nun die Nachbearbeitung am PC.

nachbearbeitung

Zur Übertragung der Aufnahmen auf den PC kann der Korg MR-2000s via USB-Kabel als externe Festplatte angeschlossen werden. Hierbei ist zu beachten, dass vor Trennung der Verbindung die Festplatte korrekt ausgeworfen wird, um Datenverlust vorzubeugen. Es gibt auch Digital-Recorder mit integriertem CD-Brenner oder einem Speicherkarten-Leser.

Zu den übertragenen Daten gehören beim MR-2000s die Projekt- sowie die eigentlichen Musik-Dateien. Die beiliegende Software Korg Audiogate ermöglicht das einfache Einlesen der Projektdateien, die Wiedergabe, die Separierung, die Track-Benennung sowie den Export in diverse Formate. Zum weiteren Bearbeiten der Aufnahmen ist es wichtig, diese als WAV-Dateien zu exportieren. Als Abtastrate wählt man die der Aufnahme entsprechende oder im Minimum 44.1 kHz (entspricht dem CD-Standard).

Zur Bearbeitung der Aufnahmen setze ich Adobe Audition ein. Audition bietet diverse Werkzeuge zum Bearbeiten, Abmischen und Restaurieren von Audiodateien.

Klickgeräusche und Clippingfehler beheben

Nach dem Öffnen der vorhin exportierten WAV-Datei führen wir zuerst ein DeClicking durch. Mit dem Effekt "DeClicker", der im Diagnosepanel gewählt werden kann, werden die bei Schallplatten gerne auftretenden Klick-Geräusche reduziert. Die Standard-Einstellungen von Schwellenwert und Komplexität liefern in der Regel gute Ergebnisse. Bei Bedarf lassen sich diese auch ändern, ansonsten klickt man auf "Durchsuchen" und danach auf "Alle reparieren".

Auch wenn man bei der Aufnahme gut ausgesteuert hat, kann es natürlich gelegentlich bei Signalspitzen zu Übersteuerungen gekommen sein. Zur Behebung dieses Problems nutzen wir den Effekt "DeClipper", der nach demselben Prinzip wie der "DeClicker" eingesetzt wird.

Ein- und ausfaden
Ein sauberes Einblenden am Anfang sowie ein entsprechendes Ausblenden am Schluss sollte eine Selbstverständlichkeit für eine gute Aufnahme sein. Adobe Audition zeigt am Beginn sowie am Schluss der Wellenform-Ansicht je ein Icon, welches das ein- und ausfaden mittels Klicken und ziehen sehr einfach macht. Wurde ein Live-Album aufgenommen kann zwischen den Stücken natürlich auf ein aus- und einblenden verzichtet werden.

Rauschen mindern
Vor allem ältere Schallplatten haben oft einen unüberhörbaren Rauschpegel. Zur Rauschminderung öffnen wir zuerst die Spektralfrequenzanzeige. Nun gilt es, nach einer Passage zu suchen, in der möglichst kein oder nur ein sehr leises Nutzsignal vorhanden ist. Dazu ist es empfehelnswert, in die Ansicht hineinzuzoomen. Das Nutzsignal erscheint in gelben, roten und violetten Farbtönen. So sollte eine entsprechend leise Stelle sehr einfach zu finden sein. Nun markieren wir mit dem Marquee-Auswahlwerkzeug die oberen drei Viertel der Anzeige, wobei wir nicht ganz bis an den obigen Rand gehen. Dies ist eine ideale Markierung, um das eigentliche Nutzsignal möglichst wenig zu tangieren.

Im Kontextmenü der Markierung speichern wir das Geräuschmuster. Über das Effekte-Menü starten wir nun den Rauschminderungsprozess. Ideale Werte für die Rauschminderung liegen in der Regel zwischen 15 bis 25% bei einer Minderung von ca. 30 bis 40dB.

Zur Kontrolle kann man bei der Störgeräuschminderung die Aufnahme mit und ohne Rauschminderung wiedergeben. Wichtig ist hierbei die Option "Nur Ausgangsrauschen": Damit kann überprüft werden, ob man wirklich nur das Rauschen reduziert oder auch das Nutzsignal tangiert hat. Ist letzteres der Fall, sollte man zurück zur Spektralfrequenzanzeige, den ausgewählten Bereich verringern und das neue Geräuschmuster speichern. Danach kann ein weiterer Versuch mit dem Rauschminderungsprozess erfolgen. Ein experimentieren mit den erweiterten Einstellungen kann ggf. auch noch eine weitere Verbesserung ermöglichen.

Sobald man bei aktivierer Option "Nur Ausgangsrauschen" nur noch das Rauschen hört und ohne diese Option beim Aktivieren des Effekts  eine deutliche Rauschminderung bei gleich bleibender Qualität der Musik wahrnehmen kann, ist das Ziel erreicht. Nun kann der Effekt mittels "Anwenden" übernommen werden.

endkontrolle

Wenn vorher alles richtig gemacht wurde, sollte man nun im Besitze einer einwandfreien und möglichst rauscharmen Digital-Aufnahme sein. Sie wird nicht nur auf einem Mobile-Player, sondern auch bei der High End Anlage auf einem CD-, Network oder Memory-Player eine überzeugende Wiedergabequalität bieten. Wenn auch letztlich nicht in der Klangfülle des analogen Originals, denn dies bleibt nach wie vor die Referenz.

Viel Erfolg und vor allem viel Spass beim digitalen Aufnehmen von LPs und deren Bearbeitung!