wie man dazu kommt

Die Liebe zur Musik, insbesondere der klassischen Musik, war mir nicht von Anfang an ins Bett gelegt. In meiner Kindheit beschäftigte ich mich eigentlich mehr - wie viele andere kleine Jungs wohl auch - mit Legos und dergleichen. Dann war auch schon das Fernsehen dran, von den obligaten Zeichentrickserien wie z.B. den Duck Tales sollten es schon bald "realere" Serien werden, die Knaller der 80er Jahre A-Team und Knight Rider waren an der Reihe...

kassette gefunden

Es war - soweit ich mich zurück erinnern mag - 1989 als ich am Strassenrand eine Kassette fand, die meine erste highfidele Erfahrung werden sollte: Christmas with Mahalia von Mahalia Jackson. Diese gewaltige, ausdrucksstarke Stimme habe ich nie vergessen.

david hasselhoff und beethoven's neunte

crazyforyou

Trotzdem sollte es erstmal in eine andere musikalische Richtung weitergehen: Weihnachten 1990 bekam ich meine zweite Kassette - obwohl ja zu dieser Zeit die Kassette hauptsächlich nur noch als Aufnahmemedium genutzt wurde und die CD bereits ihren Siegeszug gegen die Schallplatte angetreten hatte. In diesem Jahr wurden erstmals doppelt so viele CDs wie LPs verkauft. Aber zurück zu meiner zweiten Kassette, die war von David Hasselhoff - Crazy for You. Zugegebenermassen nicht unbedingt sehr anspruchsvolle Musik, aber er war damals halt recht bekannt und in aller Munde durch seine Erfolgsserien "Knight Rider" und "Baywatch". Zudem stellt man mit sieben Jahren bezüglich musikalischer wie künstlerischer Leistung nicht unbedingt hohe Ansprüche.

Zu der Zeit hatte ich einen einfachen Kassetten-Recorder, für den ich aber schon langsam zu alt war. So hörte ich die Kassette auf der elterlichen schon damals nicht mehr ganz taufrischen aber durchaus soliden Stereo-Anlage mit Pioneer-Einzelkomponenten und JBL-Lautsprechern. 2 Jahre später zur ersten heiligen Kommunion bekam ich ein Doppel-Kassetten Radio, die Musik spielte aber weiterhin nur eine Nebenrolle meinen jungen Jahren: Hauptsächlich hörte ich Hörspiele, welche man in einer Bibliothek im Nachbardorf ausleihen konnte. Trotzdem horchte ich immer wieder auf, wenn im Radio oder im Fernsehen klassische Musik kam und dann war da noch so eine Schallplatte meines Vaters - Beethoven's Neunte - die mir nie ganz aus dem Kopf ging...

michael jackson, bravo hits und mp3

michaeljackson

Im Sommer 1992 - als ich Neun Jahre alt war - verfolgte ich Michael Jackson's Dangerous Konzert in München am TV. Ich war sehr beeindruckt und wollte mir daraufhin unbedingt eine Kassette von ihm zulegen, die ich etwas später auch bekam. Mit etwa 10 Jahren bekam ich vom Onkel eine Kompakt-Stereo-Anlage geschenkt - leider nur mit Doppel-Kassettendeck. Dafür war es aber somit meine erste eigene Stereo-Anlage. Mit 12 Jahren folgte dann eine etwas grössere Stereo-Anlage mit 3fach CD-Wechsler. Interessanterweise hatten zu diesem Zeitpunkt alle meine Jahrgänger bereits eine Stereo-Anlage mit CD-Player oder wenigstens ein Radio mit selbigem und ich war somit ein ziemlicher Späteinsteiger :-) Musikalisch ging es dann mit der wohl mehr oder weniger üblichen Kost wie den Bravo Hits weiter. Trotzdem war ich bis dahin ein bekennender Michael Jackson Fan geworden, was bei meinen Jahrgängern nicht unbedingt auf Anerkennung stiess... In diesem Alter war damals mehr Techno und Trance angesagt, was ich durch die Bravo Hits auch hörte. Unbeirrt davon sollte Michael Jackson weiterhin mein Lieblingskünstler sein. Zwei Jahre später bekam ich endlich einen neuen Computer und so beschäftigte mich mehr mit ihm, als mit Musik. So bin ich auch auf den 1998 angefangenen MP3-Hype nicht aufgesprungen, in der Annahme, dass wenn etwas komprimiert wird, das einfach nicht ohne hörbaren Verlust funktioniert. Ausserdem war der Markt sowieso nicht an Qualität interessiert, musikalisch ging es schon lange bergab (und das tut es heute noch). Aktuell sind es nur noch verhältnissmässig wenige Ausnahmekünstler - die leider nur wenig Beachtung finden - oder aber solche, die schon seit Jahrzehnten im Musikbusiness erfolgreich sind, welche wirklich noch Musik machen, welche die Bezeichnung Musik verdient. Letzteres würde ich aber nicht für alle langjährige Künstler behaupten wollen... Meine allererste Klassik-CD kaufte ich tatsächlich erst anfangs 1999, der Computer blieb meine Hauptfreizeitbeschäftigung, wozu hauptsächlich Internet und Onlinegames zählten. Später bei Beginn meiner Ausbildung zum Mediamatiker im August 1999 bekam ich endlich einen Internetanschluss und begann mich mit der Erstellung und Programmierung von Websites zu befassen.

Musikalisch hielt ich Michael Jackson die Treue, mit den Bravo Hits war aber Schluss. Durch den Internetanschluss erhielt ich erstmals einen grösseren Einblick in die Welt der Musik, insbesondere der Klassik, aber auch des Pops. Weihnachten 2000 kaufte ich mir eine einfache Home-Cinema-Anlage für den PC. Fürs gamen war das ganz nett, aus klanglicher Sicht war es aber eine Katastrophe. Wie soll auch guter Klang aus solchen Brüllwürfeln kommen? Das war schon damals meine Meinung, aber ich hatte das System in erster Linie fürs gamen und gelegentliche DVD gucken am PC gekauft, dafür war es ausreichend.

Da ich meine Ausbildung zum Mediamatiker in der Mediathek (ehemals Kantons- und Stadtbilbiothek) in Brig absolvierte, erhielt ich dadurch einen weiteren Einblick in die klassische Musik, da die Mediathek neben Büchern eben auch CD's anbot (und das tut sie heute noch).  So konnte ich unverbindlich und in hoher Qualität die klassische Musik kennenlernen. Ich nutzte dieses Angebot zuerst eher spärlich, mitte Lehrzeit dann umso mehr.

meine erste halbwegs richtige hifi-anlage

stereoalt

Ende 2001 bekam ich dann meine zweite Stereoanlage, die schon weitaus besser als die vorige war: Eine Anlage mit Einzelkomponenten eines sehr bekannten und grossen japanischen Herstellers und zwei Standboxen eines ebenfalls wohl bekannten amerikanischen Herstellers. Aus der HiFi-Sichtweise nichts besonderes aber wenigstens schon mal als einfaches Einstiegs-HiFi zu bezeichnen. Trotzdem blieb der Computer erstmal wichtiger als die Musik.

erste ernsthaftere beschäftigung mit dem thema hifi

Nach nur zwei Jahren liess mich die billige Home-Cinema-Anlage des PCs mit Wackelkontakt in Stich. Erstmals begann ich mich dann ernsthafter mit dem Thema zu beschäftigen, dieses Mal sollte es etwas besseres und anständiges werden, was nicht wieder so schnell kaputt geht. Nach einigen Recherchen fand ich im Herbst 2003 die Lautsprecher eines grossen deutschen Direktvertriebes: Gehäuse aus Holzfaserplatten (MDF) anstatt billiges Plastik, abnehmbare Stoffbespannung welche ihren Namen auch verdient, anständiges vergoldetes Anschlussterminal für Banana-Stecker anstatt billige Klemmanschlüsse. Das sind natürlich beileibe zu wenig und andererseits auch keine wirklichen Kriterien, die für guten Klang wichtig sind. Hochwertiges HiFi oder gar High End war zu der Zeit aber noch kein Thema für mich. Es sollte einfach etwas werden, was in etwa Einstiegs-HiFi - nur halt als Home-Cinema - entspricht. Also vergleichbar mit meiner damaligen Sony Silverado Stereoanlage.

gestiegene ansprüche

audiovideoreceiver

Mit der neuen Home-Cinema-Anlage am PC war ich dann zwei Jahre recht zufrieden, einzig der aktive Subwoofer mit seinem integrierten 5.1 Verstärker war etwas schwach, da musste was stärkeres her. Ein potenter aktiver Subwoofer und ein separater Audio-/Video-Receiver sollte es werden. Anfang 2005 war dieser Ausbau vollbracht. Es wurde ein Audio-/Video-Receiver einer traditionsreichen 1953 in New York gegründeten Firma: 1954 brachten sie mit dem Festival D1000 den weltweit allerersten Receiver (Verstärker und Radio in einem) auf den Markt, vier Jahre später den ersten Stereo-Receiver Festival TA230 und in der aktuellen Mercedes-Benz S-Klasse (W221) die erste voll digitale diskrete 5.1 Surround-Anlage in einem Auto. Aber genug der Geschichte, zurück zum Audio-/Video-Receiver. Was ihn ganz speziell auszeichnet sind seine sehr potenten getrennten Netzteile für die Vorder- und Hinter-Kanäle. Dies ermöglicht ihm - im Gegensatz zu vielen anderen Audio- / Video-Receivern - die Bereitstellung der maximalen Leistung auch bei gleichzeitigem Betrieb aller sieben Lautsprecherkanäle. Der Klang des Audio- / Video-Receivers ist sehr warm und klar, geht gewissermassen in die Richtung Röhren-Sound, dadurch ist später auch meine Vorliebe für Röhren-HiFi entstanden. Mit High End hatte das immer noch nichts zu tun, aber der Homecinema-Verstärker war zumindest schon solides HiFi.

der wendepunkt zu high end

Dem aufmerksamen Leser ist sicherlich nicht entgangen, dass sich meine Freizeit hauptsächlich beim PC verbrachte. Der PC gehört zu meinem Beruf, privat nutzte ich ihn auch viel und das tue ich heute noch. Im Herbst 2005 kam aber ein Wendepunkt: Ich sehnte mich nach einer Freizeitbeschäftigung, wo man keinen PC braucht. Ich wollte eine Möglichkeit haben, immer mal wieder "abzustellen" und etwas zu tun, dass mir weiterhin Freude bereitet, jedoch nichts mehr mit dem PC zu tun hat. Die intensivere Beschäftigung mit der Musik war da sehr naheliegend. Zumal ich ja hochwertige Musik - insbesondere Klassik - schon lange mochte.

headphone

Zuerst kam der Wunsch nach einem hochwertigen Kopfhörer für meine Surround-Anlage am PC auf. Am Anfang durchsuchte ich das Internet erstmal nach möglichen Kandidaten allgemein bekannter Marken. Eher zufällig stiess ich auf die Website einer amerikanischen Kopfhörer-Manufaktur, welche Kopfhörer so baute, wie man es nur von längst vergangenen Zeiten kennt. Wie es sich für eine Manufaktur gehört, werden diese Kopfhörer (zumindest die teureren Modelle) in aufwendiger Handarbeit gefertigt. Die Referenz-Modelle haben sogar Gehäuse aus echtem und speziell selektiertem Mahagoniholz. Ich hatte damals gar nicht lange überlegt und diesen Kopfhörer inklusive passendem Verstärker derselben Marke einfach bestellt.

Als ich ihn zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich schon beeindruckt ob solch wundervoller Handarbeit. Angeschlossen an meinen - aus audiophiler Sichtweise doch eher beschränkten Audio-/Video-Receiver am Computer - ermöglichte mir dieser Kopfhörer meinen allerersten Einblick in High End. Ich war sprachlos ob den klanglichen Qualitäten dieses Kopfhörers - ich habe es schlichtweg nicht für möglich gehalten. Heutzutage höre ich zwar nur noch selten mit diesem Kopfhörer Musik, weil ich den körperhaften Klang der Lautsprecher bevorzuge und doch war das der Grundstein für meine heutigen Leidenschaften High End HiFi und audiophile Musik.

Danach ging es los mit umfangreichen Recherchen im Internet. Ich stellte aber schnell fest, dass man solche Geräte nach Möglichkeit vorher sehen und vorallem hören muss. Durch einen glücklichen Zufall lernte ich dann einen High End Hifi Händler in der Nähe kennen. So erhielt ich die Möglichkeit, Geräte zu Hause probezuhören und nebenbei wurde mir noch ein viel grösserer Einblick die audiophile High End Welt ermöglicht.

tubeamp

Bald mal habe ich mich in die Röhren-Elektronik einer österreichischen Manufaktur verliebt. So war klar, welche Geräte in die Anlage gehörten. Gegen Ende 2006 bekam ich endlich meine allererste High End HiFi Anlage. Am Anfang kombinierte ich die österreichischen Komponenten (Endverstärker und CD-Player) mit ebenfalls sehr hochwertiger Transistor-Elektronik aus Schweden (Vorverstärker und Tuner), Lautsprechern aus Deutschland, Strom- und Audio-Kabeln aus der Schweiz, einem Netzfilter aus den USA sowie einem Stahl-Rack mit Granitplatten.

Bereits mit dieser Anlage war der Klang auf sehr hohem Niveau. Mit dem Händler entwickelte sich schnell ein vertrauensvolles Verhältnis, das ich in der Zwischenzeit  sogar als Freundschaft bezeichnen kann.